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New Work nach der Krise

Das „New Normal“ könnte ein NewWork Normal werden – oder ist es das schon längst?

Langsam und vorsichtig gehen wir derzeit die ersten Schritte aus der Coronakrise in Richtung Normalität: Während wir uns auf Lunch Meetings, Kaffeepausen und Workshops mit unseren Kollegen von Angesicht zu Angesicht (oder doch zumindest von Maske zu Maske) freuen, lohnt es sich kurz auf das zu schauen, was wir in den vergangenen Wochen in unserer Zusammenarbeit gelernt haben. Einige spannende Entwicklungen in unserer Arbeitswelt bringen uns in der Transformation unserer Organisationen weit voran – wenn wir es schaffen, sie auch nach der HomeOffice Zeit zu bewahren.
5 „Corona-Errungenschaften“ die wir mit zurück ins Büro bringen sollten.

1. Schnelle und authentische Kommunikation sind erfolgskritisch und nicht mehr „nice to have“
Eine der größten Herausforderungen in der Organisation der Zukunft ist die Aufbereitung und Verteilung von Information. Die besondere Situation der Pandemie hat das um einen nie da gewesenen Hunger nach Aktualität und persönlicher Ansprache ergänzt.
Durch die enge Taktung von Information, die wir gerade in unserer Gesellschaft erleben, bleibt auch in unseren Unternehmen immer weniger Zeit für Kommunikationskaskaden und Informationsvorsprünge Einzelner.
Social Tools wie MS Teams oder ein zentrales social Intranet sind in den letzten Wochen zur zentralen Lebensader unserer Organisationen geworden. Und wer genau hinschaut, stellt fest, dass sich auch die Formate der Kommunikation verschoben haben: Persönliche Videobotschaften von Vorständen aus dem HomeOffice – mehr Emotionalität und Authentizität, weniger kuratierter und vorgeschriebener Inhalt. Das schafft eine neue Vertrauensbasis und eröffnet, digital und langfristig auch analog, neue Interaktionsmöglichkeiten mit allen.

2. Empathie, Achtsamkeit und Verbundenheit sind neuerdings business critical
Alle, die in letzter Zeit vermehrt oder ausschließlich im HomeOffice gearbeitet haben – Mitarbeiter, Führungskräfte und Vorstände – befinden sich derzeit im emotionalen Blindflug: Wer weiß schon, wie der Vorstand das neue Konzept jetzt wirklich findet? Welche Führungskraft kann von sich behaupten zu wissen, wie es den eigenen Mitarbeitern geht, und ob sie den Strategiewechsel tatsächlich verstanden haben und mittragen? Und wer von uns ist sich sicher, ob der Kollege das Feedback aufgenommen hat und jetzt direkt umsetzt?
Der einzige Weg zu zwischenmenschlicher Klarheit und Verbundenheit in den letzten Wochen führte durch die virtuellen Kaffeeecken und Afterwork-Calls, die Telefonate, die nicht im Kalender standen, und die Fotoaktionen aus dem HomeOffice.
Und genau dort gab es eine Menge Neues zu lernen, das sich lohnt, zu bewahren: Wir haben auch diejenigen Kollegen besser kennengelernt, mit denen wir nicht immer in die Pause gehen. Führungskräfte haben ihre Mitarbeiter in ihrem ganzen Menschsein angetroffen und vielleicht etwas über ihre persönlichen Werte gelernt, was sie noch nicht wussten. Nicht zuletzt haben Führungskräfte selbst ein persönlicheres Bild zugelassen: Auch sie haben im HomeOffice mal ein Kind versorgen müssen oder den nächsten Schritt aus der Krise noch nicht gekannt.
So ist ein schärferer Blick auf die Mitglieder unserer Organisationen entstanden. Und der schafft eine neue Augenhöhe, die das Potential hat, mehr Offenheit und Authentizität in unsere Arbeitswelt zu bringen.

3. Die Organisation übernimmt Verantwortung – und viele gehen eine ungeahnte Extrameile
Die Kombination aus schlechten wirtschaftlichen Zahlen in den meisten Industriezweigen und unbekannten Herausforderungen im Arbeitsalltag hat in der Krise eine spannende Dynamik ausgelöst: Mitarbeiter übernehmen Verantwortung für die Lösung unbekannter Probleme, lange bevor das Management dafür einen Auftrag erteilt hat. Zusätzlich werden Aufgaben, die nicht direkt der Wertschöpfung dienen, stärker in Frage gestellt. Das Tempo und die Intensität mit der Effizienzvorschläge, Toolhilfen, und Best Practices in den letzten Wochen geteilt wurden, ist die Energie echter Selbstorganisation – fernab von Projektaufträgen, Freigabemeetings und Lastenheften. Jetzt müssen wir diese Energie nur noch weiter nutzen

4. Meetings haben einen Qualitätssprung gemacht
Wer die Arbeit in einer Organisation neu gestalten will, kommt um die Frage der Effektivität von Meetings nicht herum. Zu Beginn der Krise haben viele befürchtet, dass sich die Verbindlichkeit von physischen Steering Meetings oder die Intensität eines Brainstormings mit Kollegen nicht online abbilden lassen.
Spannenderweise ging es an vielen Stellen dann doch: Strategien konnten auch in zwei Stunden online statt in Ganztagesworkshops entwickelt werden, tolle Ideen sind auch auf virtuellen PostIts entstanden, und Arbeitsmeetings waren auch produktiv ohne an einem Tisch zu sitzen – vielleicht manchmal auch produktiver.
So kann ein neuer Diskurs und eine Reflexion entstehen, welche Aufgabe welches Format der Zusammenarbeit benötigt – und vielleicht ist das physische Meeting nicht immer die richtige Antwort.

5. Traditionelle Führungsartefakte verschwinden und Führung erneuert sich
Krawatten, Eckbüros, klassische Rollenverteilung in Besprechungen – all das war in den letzten Wochen unsichtbar. Schaut man genau hin, wer in den letzten Wochen erfolgreich war, so sieht man: In dieser neuen Arbeitswelt zählt mehr denn je die Lösung, die wirklich gute Idee, und die Gabe, die richtigen Menschen zusammenzubringen, um diese Inhalte umzusetzen. Dabei ging es noch nie so wenig um Titel und um Hierarchie, und noch nie so viel darum, gemeinsam voranzukommen.
Hinzu kommt: Viele Führungskräfte haben in den letzten Wochen viel gelernt, ihr Verhalten angepasst und alte Glaubenssätze zu HomeOffice und der eigenen Rolle über Bord geworfen. Wo früher mancherorts über Pausenzeiten minutengenau diskutiert wurde, ist, notgedrungen, ein neues Vertrauen entstanden, das in Form von außergewöhnlichen Arbeitsergebnissen zurückgeschenkt wurde. Respektvolle Führungsarbeit ist so wichtig wie nie zuvor und es sind neue Wege entstanden, das als Team zu gestalten.
Das ist ein bemerkenswerter Schritt hin zu einer neuen Augenhöhe für ein gemeinsames Ziel: Unsere Unternehmen erfolgreich durch die Krise zu bringen.

An vielen Stellen wird derzeit diskutiert, wie das „New Normal“ unserer Arbeitswelt aussehen wird – oder ob es doch eine Rückkehr zu allem sein wird, was wir vorher gekannt haben.
Es bleibt zu hoffen, dass der ein oder andere Pfad zu einem „New Work Normal“ schon angelegt ist und jetzt ausgebaut wird.
Viele von uns bemühen sich schon lange darum, das Menschenbild der Theory Y und die Vision einer anderen Arbeitswelt raus aus den Berliner StartUp Buden rein in den Arbeitsalltag der deutschen Konzerne zu bringen. Die Heftigkeit und die Ganzheitlichkeit der Corona Krise war vielleicht ein Beschleuniger oder sogar ein Scheideweg, dieses „New Work Normal“ real und nachhaltig in unseren Organisationen zu etablieren.
Selten lag das Potential, unsere Arbeitswelt zu verändern so offen auf der Straße wie heute – und es wäre fatal wenn wir das wieder verlieren. Frijthof jedenfalls wäre stolz auf die Entwicklungen in der Arbeitswelt in den letzten 10 Wochen.