Während in Politik und Gesellschaft der Start für ein Leben nach der Pandemie bereits heiß diskutiert wird, ist es an der Zeit, dass wir auch als Mitarbeiter, Führungskräfte, HRler und Kulturenthusiasten darüber diskutieren, wie unser Arbeitsleben nach COVID aussehen wird. Ein „Zurück zum Alten“ wird es nicht geben, so viel ist klar.
COVID hat die Art, wie wir arbeiten, für immer verändert:
- Technologisch – Mural, Teams, Mentimeter, Zoom, Clubhouse und all die anderen ersetzen unsere obligatorischen Moderationskoffer und haben einen schier unerschöpflichen neuen Raum der Begegnung geschaffen.
- Emotional – Das Brennglas der Pandemie (Danke Tobi für diese schöne Metapher) hat Vertrauensfragen aufgeworfen, eine neue Nahbarkeit gefordert, Führungsverhalten auf den Prüfstand gestellt und die Qualität unseres Teamspirits getestet.
- Strukturell – Fragen nach der Effektivität unserer Zusammenarbeit und unserer gemeinsamen Ziele und Werte sind an die Oberfläche gespült worden und in den Fokus der Gesamtorganisation gerutscht – weg von Vorständen und Executive Committees rein in die Kaffeeküchen und virtuellen Afterworks von allen.
Bisher hatte sich vieles im Diskurs von Kulturtransformation, NewWork und Agilität um Führung und Führungskräfte gedreht: Selbstorganisierte Teams, Coaching-Haltung in der Führungsrolle, Sinnstiftung für Organisationen usw. nehmen fast immer Führungskräfte, Gründer und die Unternehmensleitung in den Blick.
Die Corona-Pandemie hat allerdings klar gemacht: VUCA betrifft nicht nur die Eckbüros und Executives. Eine sich wandelnde Arbeitswelt verlangt vieles von unseren Führungskräften ab, aber mindestens genauso viel von unseren Mitarbeitern.
Wir alle gestalten die Kultur unserer Organisationen jeden Tag mit: An unseren (Home-)Office Arbeitsplätzen, in unserem Feedback-Verhalten mit den Kollegen und in der Kantinenschlange. Es wird unseren gemeinsamen Willen, ehrliches Interesse und Mut brauchen, unsere Organisationen zu verändern – unabhängig von Hierarchielevel, Funktionsbereich oder Berufserfahrung, als gleichberechtigte Mitglieder unserer Organisationen.
Erfolgreiche Zusammenarbeit post COVID ist also nicht mehr nur eine Frage von Führungshaltung. Selbstorganisation, Verantwortung, Initiative und Empathie des Einzelnen sowie unserer Teams sind die Dinge, die uns erfolgreich machen. Und die Arbeitswelt von morgen wartet nicht, bis die Unternehmensleitungen von heute sich Leitlinien für Effektivität, Geschwindigkeit und Agilität von morgen ausgedacht haben. Das wirft eine Menge Fragen auf:
- Investieren wir in der Organisationsentwicklung zu viel in unsere Führungskräfte und zu wenig in die VUCA-Fähigkeiten unserer Mitarbeiter?
- Können wir VUCA-Fähigkeit und Problemlösekompetenz bei unseren Mitarbeitern überhaupt beeinflussen? Und wenn ja, wie?
- Wenn alle Führungskräfte perfektes agile Leadership praktizierten, würde das reichen? Werden Mitarbeiter „automatisch“ zu selbstorganisierten Unternehmern, wenn sie so geführt werden?
- Was passiert, wenn Mitarbeiter gar keine Kulturveränderung wollen? Wenn Verantwortungsübernahme, Selbstorganisation und Purpose gar nicht gewünscht sind? Ist es okay, gar keine neue Arbeitswelt zu wollen?
Am Montag, den 22.2. um 18h diskutiere ich das mit allen, die mögen, in einer Clubhouse Session und würde mich wahnsinnig freuen, wenn viele von Euch dabei sind. Bis Montag!
